· 

Rückschau auf das Auditorium über Tisa von der Schulenburg

Am 9. Mai 2023 sprach in einem bewegenden Auditoriumsvortrag Herr Lambert Lütkenhorst, Vorsitzender der Tisa von der Schulenburg-Stiftung mit Sitz in Dorsten, über: „Tisa von der Schulenburg (1903–2001): Zeitzeugin, Künstlerin, NS-Widerständlerin, Bergbauaktivistin und Ordensfrau“. Der Referent, der Tisa als Schwester Paula lange Jahre gekannt hat, zeichnete den Spannungsbogen eines faszinierenden Lebens privilegierter Herkunft, das sich durch schlimme persönliche Schicksalserfahrungen hindurch für Christus öffnete, 1950 in den Ursulinenorden einmündete und sich fortan auf die Fahne schrieb, den "Mund aufzutun für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind." Heinrich Böll charakterisierte Tisa von der Schulenburg einst als „eine ungewöhnliche Frau, die immer die Freiheit suchte, die sie dann auch fand.“ Weil Max Liebermann ihr Talent erkannte, durfte sie in Berlin und Paris Kunst studieren. Sie verkehrte u.a. mit Bertolt Brecht, Albert Einstein, Heinrich und Thomas Mann. 1933 emigrierte sie nach England, wo sie mit dem Bergarbeitermilieu in Berührung kam. Im gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 ließ ihr Bruder Fritz-Dietlof sein Leben. Nach dem Krieg war Tisa heimatlos, sie blickte auf den Verlust der Eltern und Brüder sowie auf zwei gescheiterte Ehen. Ihre tiefe Not ließ sie im Psalm 130,1 ("Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu Dir.") die innere Nähe zum Gekreuzigten entdecken. Sie konvertierte zum katholischen Glauben und trat 1950 in das Dorstener Ursulinenkloster ein, wo sie als Schwester Paula sich bis nach Afrika sozial engagierte und 2001 starb. Das Video des live gestreamten Vortrags ist weiterhin hier auf YouTube abrufbar.